2. Sonntagsmesse - so viele Menschen - Dauer 1,5 Stunden
7.30 Uhr. Ich nehme in der Mitte Platz. Langsam füllt sich die Kirche. Mit dem Zurechtkommen nimmt man es nicht so genau, bis zur Predigt wird die Kirche angefüllt sein bis auf den letzten Sitz.
Etwa 1000 Menschen haben Platz. Eng zusammengerückt! Ich zähle 40 Sitzreihen bis hinten, mal zwei auf jeder Seite und je 12 Menschen. Vorne die Kinder, sicher dreihundert, hinten die Männer und die Frauen. Es ist erstaunlich wie diszipliniert und ruhig hier alles abläuft. Ich weiß nicht, wie viele Mütter ihr Baby am Rücken in ein Tuch gebunden mittragen, aber man hört einfach kein Kindergeschrei. Aufseher halten die Kinder an zusammenzurücken und ruhig zu sitzen. Da ist man nicht zimperlich. Wer nicht spurt, wird schon einmal hart angefasst. Schockiert nehme ich zur Kenntnis, dass der Aufseher einem Buben, der nicht und nicht Ruhe geben will in den Rücken boxt. Weiterrücken müssen sie und still sein. Da wird nicht rumgefackelt auf kindgerecht, sie haben sich einzufügen in den Ablauf der Messe und wenn sie noch so lange dauert. Und sie tun es!
Obwohl es eine katholische Messe ist, ist mir alles fremd. Am Beginn knien wir lange betend. Gemurmel im Rosenkranzton und ich frage mich welches Gebet es wohl ist, das wir hier sprechen. Ich bin sowieso verstummt. Fremde Klänge und so viele Eindrücke, dass ich kaum imstande bin die Teile der Messe wieder zu erkennen. Der Engel des Herrn, wie ich später erfahre. Und dann diese fremdartigen Klänge, dieses Trommeln und Singen, dieses Klatschen und Jodeln, dieses Schwingen und Bewegen der Körper, die Freude und Schreie, immer wieder und überall Jodeln, Klatschen, Schwingen, Singen. Ich bin hin- und weggerissen. Nicht einmal auf das innere Beten kann ich mich konzentrieren, so viele Eindrücke liefert mir diese Messe.
Ich schaue über die farbenprächtige Turbanlandschaft, freizügig offen stehende Zippverschlüsse, aufgeplatzte Nähte, Löcher, nicht repariert, ausgefranste Wollfäden eines Pullovers, weghängend, aber viel mehr lange afrikanische wunderschöne feine Gewänder, kahl geschorene Köpfe, einer wie der andere, die Schulkinder in ihren verschiedenen Uniformen rosa, mit weißen Krägen die Krankenschwesternschüler, grün die Trade School Schüler, blau die Primary Schulkinder. Schweißgeruch! In der Mitte der Chor und die Trommeln, aber auch ein Keyboard. Die Priester kommen herein …Jina la baba, la mwana in Swahili. Fremde Töne, fremde Sprache.
Endlos lange dauert jeder Teil der Messe. Was passiert jetzt? Namen werden genannt und Menschen gehen zum Altar, es sind die Namen der Ortsteile von Lugarawa, streets, etwa 10, 12. Sie stehen vorne am Altar mit Körben und dann beginnt eine Völkerwanderung. Alle 1000 Menschen marschieren im Gänsemarsch in zwei Reihen geordnet nach vor, bringen ihre Gaben, ihren Klingelbeutelbeitrag. Mittelreihe vor, Seite zurück. Endlos! Ich überlege wie viel ist wohl angemessen und erinnere mich daran, dass ich endlich meine großen Scheine wechseln muss!
Die Predigt! Sie dauert zwanzig Minuten. Ist hier ein Abraham a Santa Clara am Werk? Obwohl ich kein Wort verstehe, nehme ich Fr Jon als charismatischen, beherzten Prediger wahr. Sein Mienenspiel spricht Bände. Ob er da wohl auch etwas donnert? Mit Leib und Seele, Haut und Haar geht er in der Rede auf, eindringlich, appellierend, gewinnend, bisweilen donnernd, unmissverständlich, überzeugend!
2. Völkerwanderung zur Kommunion. Reihe für Reihe kniet vorne nieder am Altar. Schnell geht das. Der Ministrant mit der Tasse am Mund. Gedankenlos halte ich meine Hand hin und da legt mir Fr Jon meinen geliebten König hinein. Und in seiner Messe wird er das immer so halten.