Dioezese Njombe! Hier ist eine neue Priestergeneration mit einem ehrgeizigen, zukunftsorientierten Bischof am Werk. Hier hat man das Gefühl, die Entwicklungsarbeit geht in Riesenschritten voran. Es wird investiert, umgesetzt und gearbeitet, beinah wie in Europa. Das lockt einige reiche Laender sich zu engagieren: Italien, USA, Deutschland, Oesterreich.
Gäste aus Deutschland kommen zu uns in den Gutshof zum Essen. Das Ehepaar ist zurzeit im Gästehaus untergebracht ist, wo ich künftig wohnen werde. Die beiden vertreten eine deutsche Organisation, die Lugarawa immer wieder mit Mitteln verschiedenster Art versorgt, vor allem Schulmittel, Einrichtungsgegenstände, Overhead Projektoren, Schulbücher, aber auch Spitalsbedarf und Geld. Die Sachen werden eingeschifft und überstellt, gehen durch den Zoll und werden schließlich in Lastwagen hierher transportiert, ganze Container voll. Der Mann kommt um zu kontrollieren, ob die Geldmittel auch die richtige, ihnen zugedachte Verwendung finden.
Fr Jon erweist sich als gewandter Gastgeber: in Englisch konversierend, zuvorkommend, einfuehlsam, ihnen zugewandt!
Und er versucht seine Partner in Sachen Geld zu unterhalten, zufrieden zu stellen, auch wenn die harsche, herrische Art dieses Mannes ihm immer wieder das Gefühl vermittelt mit einem Sklaventreiber unterwegs zu sein, wie er mir später scherzend im Vertrauen mitteilt. Mit ihm zusammen fühle ich mich immer wie ein Sklave.
Wir fahren hinauf zur Behindertenwerkstätte, das deutsche Ehepaar hat mich eingeladen. Auch hier hat die deutsche Organisation investiert.
Die 15 Schützlinge empfangen uns mit Gesang und lautem Jodelgeschrei, eine Kunstfertigkeit der Zunge, die beeindruckt. Blitzesschnell schlägt und schnalzt die Zungenspitze hin und her und erzeugt einen schrillen lauten Jodellaut. Hei, das ist ein Singen und Tanzen! Sie wollen uns zeigen, dass wir willkommen sind, sich dankbar erweisen, die Menschen, die sie unterstützen, ihre Gönner ehren.
Die Gruppe stellt Ketten und Armbänder her. Material Tonerde, gebrannt zu kleinen Kügelchen, die sie auffädeln und mit einem Verschluss versehen. Orange, grau, schwarz, braun, naiv und doch geschmackvoll angeordnet, wunderschön. In Gedanken sehe ich die Ketten in einer italienischen Designerboutique an einer modisch angezogenen Schaufensterpuppe als Accessoire Hals und Handgelenk zieren. Sie führen uns ihr Handwerk vor und zuletzt bekomme ich ein Kette und zwei Armbänder geschenkt. Irgendwann werde ich wiederkommen und ihnen ihre Ware abkaufen. Zum Abschied singen sie uns ein Lied:
Sorry to say good bye.
Wir fahren zum Abendessen ins Gästehaus. Zum ersten Mal sehe ich mein neues Zuhause, das ich am Montag beziehen werde. Ja, angenehm, nett! Ich glaube, da kann ich mich wohl fühlen.
Zu Gast der Arzt, der Priester, die Schwester Oberin, das deutsche Ehepaar, ich. Wir tauschen unsere Ansichten zum Thema Malariaprophylaxe aus und konversieren wieder einmal in Deutsch. Wie lange ich schon hier bin? Ich wirke wie eine charmante Gastgeberin, 2 Monate etwa. Ich fühle mich geschmeichelt, nach einer Woche Afrikaaufenthalt. Ja, dieses Leben könnte mir gefallen!