Afrika - Die zweite Nacht im Pfarrhof

Eine Riesenspinne, deren Aussehen an einen Skorpion erinnert, sitzt reglos auf dem kalten, von Rissen durchzogenen Gemaeuer meines Zimmers. Ob sie wohl giftig ist? Ich falte das Moskitonetz auf. Langsam wird es dunkel. Um zwanzig nach 6 versinkt die Sonne in den Huegelketten, um sieben Uhr ist es taeglich stockfinster. Ich zuende die Kerze an, denn der Strom ist noch nicht eingeschaltet.
Es ist Nacht. Ich hoere entsetzliche Schreie. Ich lausche angestrengt und beklommen ins Dunkel. Was passiert denn da? Es muss etwas Fuerchterliches sein. Sind das die Schreie eines Maedchens, das vergewaltigt wird?
Zwanzig, dreissig lang gezogene grelle Schreie dringen laut und ungehemmt durch die Nacht. Schier endlos erscheint es mir. Gehoert- und doch ungehoert! Keiner geht hin. Auch ich nicht! Ich, die Fremde schon gar nicht. Man laesst mich schon an normalen Abenden nicht allein in die Dunkelheit hinaus. Zu gefaehrlich, Christina! Geht das niemanden etwas an? Endlich ist es still. Es ist vorbei. Aber ist es denn vorbei? Liegt irgendwo jemand hilflos draussen?
Ich bemuehe mich erleichtert zu sein, dass es aufgehoert hat, moechte mir einreden, dass ich mich geirrt habe, moechte glauben, dass es blosse Einbildung war, dass es eine harmlose Erklaerung gibt - und weiss, dass nicht. Die Beklommenheit will ich mit Musik aus dem kleinen MP3 Spieler verscheuchen, aber sie will nicht weichen. Endlich schlafe ich ein.
Am naechsten Tag erzaehlt mir Fr Jon, dass ein Vater seine Tochter gezuechtigt hat, weil er sie nicht zu Hause vorgefunden hat. Das Maedchen hat nach der Tortur etwas eingenommen und wird nun im Spital gesund gepflegt.
Dunkler Kontinent, wildes Land!